Angsthasen: Warum die Lautesten oft die Ängstlichsten sind


Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision – ohne dass du mehr bezahlst. So unterstützt du meine Arbeit hier auf dem Blog. Danke! ❤️


Macht uns Angst zu besseren oder „schlechteren“ Menschen

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann fällt mir immer wieder eines auf: dass gerade die Menschen, die am lautesten in einem Raum waren, oft auch die größte Angst in ihrem Herzen tragen. Und ich nehme mich davon nicht aus. Ich könnte auch dieses Urteil nicht fällen, wenn ich nicht auch schon selbst an der Stelle gewesen wäre. Wer kann schon die Wahrheit im Äußeren erkennen, wenn er sie noch nicht in sich selbst erkannt hat?

Die Weisheit der Samurai

Was dieses Denken bei mir unglaublich beeinflusst hat, ist das Buch „Hagakure“ von Tsunetomo Yamamoto. Es ist ein Buch über die Weisheiten der Samurai und es hat sehr, sehr viel bei mir verändert. Denn mein Leben war immer geprägt von Angst – in jeglicher Hinsicht. Egal ob es bei Entscheidungsfindungen war oder um das Ansprechen des Jungen ging, der mir gefallen hat: Angst war immer mein Begleiter. Und sie ist es auch heute noch, natürlich.

Als ich im Laufe der Zeit weitere Kulturen für mich studiert habe, ist mir aufgefallen, dass es dieses Konzept des Totseins, obwohl man lebt, auch in anderen Kulturen gibt. Der Tod bedeutet nur das Vergehen des Körpers, aber die Seele lebt weiter. Dem Tod zu begegnen tagtäglich ist so, als würde man seine Dämonen begrüßen, sie zum Tee einladen und ihnen sagen: „Hey, ich hab keine Angst vor dir und jetzt?“

Als ich dachte, ich sei furchtlos

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Szene aus meinem Leben. Ich war mit meinen Eltern und meiner Schwester im Urlaub an der Westküste der Türkei, besser gesagt in Balıkesir, wo wir auch herkommen. Ich liebe es dort einfach. Man kann dort übrigens auch campen und es gibt wunderschöne Gipfel, die man erklimmen kann, oder auch unendlich viele kleine und große Wasserfälle. Die Westtürkei ist einfach anders. Europäisch, aber doch asiatisch. Ich liebe das.

Auf jeden Fall hatte ich das Hagakure (und auch Sun Tzu) regelrecht eingeatmet. Und gerade in dieser Zeit fühlte ich mich völlig furchtlos. An diesem Tag bin ich so tief ins Meer hinausgeschwommen, dass ich den Strand nicht mehr sehen konnte. Voller Freude zog ich meine Bahnen durch die Wellen, machte den Schmetterling in die Wellenreihen hinein. Es war ein absolutes Gefühl von Freiheit. Die ganze Zeit dachte ich nur: „Wenn ich hier sterbe, dann ist das wenigstens da, wo ich hingehöre. Ins Wasser!“

Als ich zurückkam, sah ich das besorgte Gesicht meiner Mutter – und die lächelnden Gesichter meiner Schwester und meines Vaters. Ein älterer Mann, der neben uns lag, ein Freigeist, mit dem wir uns zuvor lange unterhalten hatten, sagte schmunzelnd zu meinem Vater auf Türkisch: „Vor dieser Frau muss man Angst haben.“ Wir lachten alle. Es war ein wundervoller Moment, und ich fühlte mich immer noch so frei wie in den Wellen, in die ich gerade noch eingetaucht war.

Wenn Verantwortung die Angst zurückbringt

Aber zurück zur Angst: Dieser Urlaub war im Jahr 2012. Ich war wirklich gerade an einem Punkt, wo ich das Gefühl hatte, ich habe gar keine Angst mehr. Ich ging auf Demos für Menschlichkeit und Frieden, legte mich dort auch verbal mit Fundamentalisten jeglicher Intention an. Doch mein Weg sollte ein anderer sein. Ich lernte den Vater meiner Kinder kennen und wurde prompt ein Jahr später schwanger und bekam das Jahr darauf mein erstes Kind.

Ein Jahr nach der Geburt waren wir wieder in der Türkei. Diesmal aber in Antalya. Meine Tochter war fast ein Jahr alt, und ich war schon mit dem zweiten Kind schwanger und wusste es nicht. Ja, ich fühlte mich in den vier Jahren, in denen ich meine drei Kinder bekam, wie eine Gebärmaschine.

Die Konsequenz des Mutterseins war aber jetzt, dass ich komplett erfüllt von Angst war. Angst davor, dass meinem Kind etwas passiert. Mir etwas passiert. Ich kann es nicht in Worte fassen. Also schwamm ich diesmal nicht mehr tief ins Meer, als ich ins Wasser eintauchte, sondern schön entlang der Küste. Was für ein Unterschied. Als ich aus dem Wasser kam, schaute ich mich um, schaute runter auf den Boden und dachte mir: Was ist nur passiert? Wo ist die Frau, die so tief raus ins Meer geschwommen ist?

Wisst ihr, was passiert ist? Ich war auf einmal Mutter und hatte Verantwortung. Und natürlich haben wir Verantwortung für unsere Kinder. Die Frage ist nur: Inwieweit lassen wir auch die Angst zu, die mit dieser Verantwortung in unser Leben einhergeht?

Ängste überwinden – auch als Mutter

Ich glaube, auch hier ist es wichtig, seine Ängste zu überwinden. Ich habe sehr lange nicht mehr in das Buch Hagakure geschaut. Aber jetzt bin ich wieder dabei. Sind meine Kinder jetzt groß genug, um ihre Mutter zu entbehren? Nein. Ich habe auch nicht vor, in den Krieg zu ziehen – in einen der Kriege, die gerade auf dieser Welt wüten. Trotzdem ist das Überwinden der Ängste wichtig, um sich weiterzuentwickeln.


Die mentale Einstellung macht den Unterschied

Es geht um die mentale Einstellung, um das Mindset. Denn eines habe ich gelernt durch dieses Buch: Wenn du jeden Tag im Geiste bereit bist, von dieser Welt zu gehen, deinen Körper zu verlassen, so wirst du doch jeden Tag ein bisschen stärker. Wer braucht nicht mehr Stärke als eine Mutter von drei Kindern?

Die Samurai meditierten täglich über den Tod, nicht um düster zu werden, sondern um präsent zu sein. Um jeden Moment bewusst zu leben. Heute übe ich das auch – nicht im Lotussitz, sondern mitten im Chaos des Alltags. Einen Moment innehalten. Atmen. Spüren: Ich bin hier. Jetzt. Lebendig.

Wann hast du das letzte Mal wirklich innegehalten und gespürt, dass du lebst? Was würde sich verändern, wenn du dir jeden Tag einen Moment nimmst, um deine Ängste anzuschauen – ohne vor ihnen davonzulaufen?

Einmalig
Monatlich
Jährlich

Einmalig spenden

Monatlich spenden

Jährlich spenden

Wähle einen Betrag aus

€5,00
€15,00
€100,00
€5,00
€15,00
€100,00
€5,00
€15,00
€100,00

Oder gib einen individuellen Betrag ein


Vielen Dank für die Unterstützung dabei einer einfachen Mutter zu helfen, die beste Version ihrer selbst zu werden.
So kann ich voller Tatendrang und Liebe mehr Inhalte in Form von Poesie, Musik und Beiträgen erstellen.

Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

Unterstütze eine TrobadourUnterstütze eine TrobadourUnterstütze eine Trobadour

Falls du Hilfe dabei brauchst, hier ist ein persönlicher, kleiner Leitfaden, der dir dabei helfen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert