Über gesellschaftliche Labels, unsichtbare Leistungen und die Frauen, die Deutschland am Laufen halten
Wir leben in einer Welt, in der Menschen funktionieren müssen wie Roboter. Frauen funktionieren, Männer funktionieren, und die große Frage ist: Wollen wir in Zukunft weiterhin so eine Welt gestalten? Eine Welt, in der der Wert eines Menschen an seiner ökonomischen Produktivität gemessen wird, an seinem LinkedIn-Profil, an der Anzahl seiner Geschäftsreisen?
Die Fülle-Falle: Wenn jeder dir sagt, was du sein sollst
Wann ist eigentlich eine Frau erfolgreich? Diese Frage beschäftigt mich nicht nur als Mutter von drei Kindern und “brotlose Künstlerin”, sondern als Beobachterin einer Gesellschaft, die in zunehmend engen Kategorien denkt.
Da gibt es die Frauen ohne Kinder, die sich ausschließlich für ihre Karriere entschieden haben. Sie jettet im Privatjet durch die Welt und verkündet: “Das ist die wahre Fülle.” Das ist auch okay. Denn ihre Ansicht von Fülle muss nicht mit meiner resonieren. Auch wenn ich gegen einen Urlaub mehr ab und zu nichts einzuwenden hätte! Und dann gibt es die Mutter mit sechs Kindern und einem treusorgenden Mann, der alle finanziell versorgen kann. Auch sie sagt: “Das ist meine Fülle.” Selbst wenn sie manchmal dem Nervenzusammenbruch nahe ist, weil sie nicht mehr sie selbst sein kann. Das ist aber nochmal Thema für einen weiteren Beitrag.
Zwei völlig gegensätzliche Lebensentwürfe. Und beide haben recht.
Denn hier wird etwas fundamental Wichtiges sichtbar: Fülle ist für jeden Menschen etwas zutiefst Individuelles. Und doch leben wir in Zeiten, in denen YouTube-Videos, Influencer und selbsternannte Experten pausenlos erklären, was Fülle sein soll, was Erfolg bedeutet, wie eine Frau zu leben hat. Jeder möchte Labels setzen auf Dinge, die ich doch eigentlich selbst entscheiden möchte. Labels können helfen, uns zu strukturieren, geben uns Sicherheit, aber manchmal ist es doch ein wenig zu viel “Labelei”. Es gibt 100 von Labels für die sexuelle Gesinnung. Wird unser Leben aber dadurch besser und gewinnt an Qualität? Selbst das ist nochmal Thema für einen weiteren Beitrag.
Die unsichtbaren Frauen: Mütter im sozialen Brennpunkt
Vor ein paar Jahren lebte ich mit meinen Kindern in einem sozialen Brennpunkt. Dort gab es ganz viele Mütter, die sich bewusst für ein bestimmtes Lebensmodell entschieden hatten. Manche hatten fünf Kinder von drei verschiedenen Männern. Keiner der Väter kümmerte sich wirklich. Diese Frauen haben sich trotzdem für dieses Modell entschieden. Bewusst oder unbewusst, sei dahingestellt. Trotz allem machen diese Frauen einen enormen Teil unserer Gesellschaft aus. Denn meistens sind es alleinerziehende Frauen, die an der Armutsgrenze leben. Selbst große Persönlichkeiten der Öffentlichkeit, die nur bei ihrer Mutter aufgewachsen sind, haben Zeiten gehabt, in denen sie in Armut gelebt haben.
Natürlich könnte man zynisch sagen: “Vielleicht hatten sie einfach nicht mehr auf dem Kasten und deswegen haben sie sich halt entschieden, Kinder zu bekommen und Kindergeld zu kassieren.” Aber diese Perspektive verkennt etwas Wesentliches: Diese Kinder sind ein Teil unseres Ökosystems, ein Teil dieser Nation. Diese Kinder sollten nicht ausbaden, was ihre Eltern bzw. teilweise auch Erzeuger getan haben.
Bevor ich selbst Kinder hatte, sagte ich immer: “Jedes Kind fühlt sich für mich an, als wär’s meins. Ich möchte jedem Kind eine gute Tante sein.” Kinder sind immer gerne zu mir gekommen. Ich habe meinen Neffen und meine Nichte eigentlich fast wie eine Ersatz-Mami mitgroßgezogen. Jetzt, mit drei eigenen Kindern, denke ich: Ich wünschte, ich könnte eine Mutter für die ganze Welt sein.
Aus heroischen Motiven heraus? Nein, sondern einfach, weil ich denke, dass es schön ist, dieses Gefühl zu haben, eine Mutter für jeden Menschen zu sein. Es geht um den Geist, der im Zuge dieser Ansicht und dieser Einstellung entsteht.
Jede Frau kann für sich selbst bestimmen, wo sie sich sieht. Aber wir als Gesellschaft müssen aufhören, bestimmte Entscheidungen systematisch abzuwerten, vor allem wenn sie dem Allgemeinwohl guttun und eigentlich nicht schaden.
📖 Lies den vollständigen Essay auf Substack →
Im vollständigen Essay erfährst du außerdem:
- ⚡ Warum Vollzeit-Arbeit und gute Mutterschaft für mehrere Kinder oft nicht vereinbar sind
- 💔 Die strukturelle Benachteiligung alleinerziehender Mütter in Deutschland
- 🏛️ Meine erschütternde Begegnung mit Machtmissbrauch im Jugendamt
- 🎨 Meine persönliche Geschichte als “brotlose Künstlerin” mit drei Kindern in vier Jahren
- ⚽ Was Fülle für mich wirklich bedeutet – am Spielfeldrand meiner Jungs
- 🌍 Warum Kinder großziehen systemrelevante Arbeit ist
- 💪 Wie du deine eigene Definition von Fülle findest, unabhängig von gesellschaftlichen Labels
Teil einer Serie: Dies ist der erste Teil meiner Woche über “Die Fülle für eine Frau – Definition und Meinungen”.
Diese Woche erscheinen:
- Tag 1 (heute): Meta-Essay über gesellschaftliche Anerkennung ✓
- Tag 2: Persönliche Geschichte (nur für Substack-Mitglieder)
- Tag 3: Gedicht “Können Mütter Looser sein?”
- Tag 4-7: Verschiedene Perspektiven auf Potenzialentfaltung & Stimmgewalt
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